Wofür stehst Du?
Eigentlich sollte die Antwort darauf doch einfach sein, ODER?
Als ich diese Frage gestellt bekam, fühlte ich mich ehrlich gesagt etwas herausgefordert. Wusste ich wirklich, wofür ich stehe? Konnte ich das überhaupt so klar formulieren? Hatte ich diese EINE Sache, für die ich unverkennbar war? Wollte ich mich überhaupt auf EIN Merkmal oder ein paar wenige reduzieren lassen, wo ich doch so lange an meiner Entwicklung gearbeitet habe und es so Vieles gab, wofür ich stehe und stehen möchte?

Wofür stehst Du?

Ich fing also an, mir eine Liste zu machen. Sie wurde lang und immer länger. Ich machte damit weiter, mir Inspiration im Außen zu holen, und hoffte, mich darin zu erkennen. Die Liste wurde noch länger. Ich kam an einen Punkt, an dem die Liste mir viel zu lang erschien, weil nichts davon in Erinnerung bleiben würde als das, wofür ich wirklich und wahrhaftig stehe, schlichtweg, weil es zu viele Eigenschaften waren, zu viele Werte, zu viele Attribute, als dass man etwas Einzigartiges darin hätte erkennen können.

Wofür stehst Du?

Ich formulierte einen sehr krampfhaften Versuch, weil ich unbedingt für etwas stehen wollte. Etwas Großes, etwas Nachhaltiges, etwas Besonderes, etwas, das Anerkennung verdient. AHA, da war sie also! Die Anerkennung! All meine Definitionen durchliefen also einen Filter, ob denn das, wofür ich stehe, auch Anerkennung verdient (aka ob ich Anerkennung verdiene). Jetzt war ich genervt. Ich kam nicht weiter. Mein geheimer Wunsch nach Anerkennung sabotierte die aufrichtige Beantwortung dieser Frage. Also ließ ich die Frage los und kümmerte mich um dieses alte, verstaubte Muster, das mich immer noch glauben ließ, ich wäre auf irgendeine Form der Anerkennung angewiesen (tschüss Glaubenssatz!). Wenn es eine Antwort gab, würde sie mich finden, ohne dass ich sie krampfhaft suchte und vor allem, ohne dass ich dafür Anerkennung verdienen müsste.

Und dann passierte die MAGIE. Mir wurde klar, warum ich mich wirklich so schwer tat. Meine Antworten waren mein "NORMAL". Ich fand es nicht 'besonders' genug, über etwas zu sprechen, das mir selbst als Selbstverständlichkeit erscheint. Also schien es mir auch nicht erwähnenswert. Mein Normal, meine Realität, meine Vorstellung vom Leben ist für mich selbstverständlich. Für viele andere aber eben leider nicht. Und deswegen ist es sehr wohl erwähnenswert. Daran durfte ich mich wieder erinnern! I
ch finde es NORMAL, sich nicht im Opfermodus zu verkriechen, sondern Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen. Deshalb stehe ich für Ermächtigung.

Get up, stand up...

Ich stehe auf für die Hilflosen, die nicht gelernt haben, an sich zu glauben.
Ich stehe auf für die Schwachen, die nicht gelernt haben, für sich einzustehen.
Ich stehe auf für die Außenseiter, die nicht gelernt haben, ihre wahre Schönheit zu erkennen.
Ich stehe auf für all jene, die etwas verändern wollen.
Ich biete ihnen Hilfe, ich bin für sie stark, ich erkenne sie und begleite sie auf ihrem Weg in die Veränderung. 

Weil ich durch all das durgegangen bin. Weil ich weiß, was funktioniert und was nicht. Weil ich sie fühle und verstehe. Weil ich eine von ihnen bin und weiß, dass das nur eine Facette von vielen ist. 


Auch ich habe mich in den letzten Jahren so sehr verändert, dass ich mich manchmal selbst kaum wiedererkenne. Mehr als für alles andere stehe ich also für Veränderung. Und deshalb gibt es auch nicht die EINE Antwort auf die Frage, wofür ich stehe, weil sich auch die Antwort ändern darf. Ich darf weiter wachsen und damit auch das, wofür ich stehe.

Hätte ich zugelassen, dass der alte Glaubenssatz mich weiterhin blockiert, wäre die Antwort auf die Frage, wofür ich stehe vermutlich nicht zu mir durchgedrungen. Wäre doch schade, nicht zu wissen, wofür man steht. Denn wenn man für nichts steht - wofür will man dann aufstehen? Und wenn man für nichts aufsteht - was will man dann verändern? Und wenn man nichts verändert - hält man sein Potential zurück.

Ich bin dankbar für diese Erkenntnis, aber noch dankbarer bin ich, dass mein "NORMAL" eines ist, das eine deutliche Entwicklung zu meinem "NORMAL" vor 10 Jahren darstellt. Wenn Du mir also ein Kompliment machen möchtest, dann sag mir bitte nicht, ich hätte mich nicht verändert. Denn das wäre tatsächlich das Gegenteil von einem Kompliment.

 
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